5. Soester Depressionstag

Die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) des Kreises Soest organisierte am Samstag, 20. Juni 2020, den 5. Soester Depressionstag. In Zeiten der Corona-Pandemie konnte der Tag dieses Jahr nicht wie gewohnt in Soest stattfinden. Die KISS hatte aber trotz der Umstände wieder viele hilfreiche Angebote zusammengetragen und bereit gestellt.

Fragen und Antworten

Zettel, auf dem steht: Bedrückt, traurig, depressiv - wollen wir reden? Foto: Thomas Weinstock/Kreis Soest
Foto: Thomas Weinstock/Kreis Soest

Dr. Ewald Rahn, Ärztlicher Direktor der LWL-Kliniken Warstein und Lippstadt erklärt, was Depressionen sind, wie sie sich zeigen und was helfen kann.

Was sind Depressionen?

Die Depression gehört zu einer Krankheitsgruppe (den affektiven Störungen), bei der es zu mehr oder weniger ausgeprägten Veränderungen der Stimmung und des Antriebs kommt. Charakteristisch für die Depression sind ein weitgehender Verlust von Interesse und die Unfähigkeit, Freude zu empfinden. Dabei werden das Erleben und die darauf bezogene emotionale Bewertung entkoppelt. Menschen, deren Anwesenheit bislang angenehm erlebt wurde, wird mit Gleichgültigkeit begegnet. Es wird schwierig, Anteil zu nehmen oder seinen Interessen folgend aktiv zu werden. Die Depression entfernt den Menschen von seiner sozialen Umgebung, das Vertrauen in die Zukunft geht verloren und der betroffene Mensch kann sich nicht mehr auf seine eigenen gewohnten Reaktionen verlassen. Depression ist daher nicht vergleichbar mit Traurigkeit, sondern beeinflusst fundamentaler das Selbstverständnis des betroffenen Menschen.

Die Schwere der Symptomatik und der Verlauf der Erkrankung zeigen eine hohe Variabilität. Depressionen können einen episodischen Charakter haben, aber auch längerfristig das Lebensgefühl und die Lebensqualität eines Menschen beeinflussen.

Wie zeigt sich eine Depression?

Die verschiedenen Erscheinungsformen der Depressionen werden durch die zentralen Symptome des Verlustes an Interesse und der Unfähigkeit zur Freude verbunden. Die meisten Betroffenen neigen zusätzlich dazu, sich für ihren Zustand selber die Verantwortung zuzuschreiben. Ebenso häufig findet sich der schwer korrigierbare Gedanke, nicht wieder gesund werden zu können. Darüber hinaus macht sich die Depression in vielen Teilbereichen bemerkbar, etwa durch eine Vielzahl von körperlichen Symptomen, Schlafstörungen, einer ausgeprägte Grübelneigung, existenziellen Ängsten und ausgeprägten zwischenmenschlichen Probleme. Die zusätzlichen Symptome können sich so in den Vordergrund rücken, dass sie die eigentliche Krankheit überlagern und damit das Erkennen des Problems erschweren. Bei vielen Menschen wird die Krankheit daher oft erst spät erkannt und angemessen behandelt.

Ist eine Depression "ansteckend"?

Im eigentlichen Sinne natürlich nicht. Auch die genetische Veranlagung wurde in der Vergangenheit oft bei weitem überschätzt. Die Depression ist aber auch keine Erkrankung, die in jedem Fall auf äußere Rahmenbedingungen etwa dem Erleben von Stress, zurückzuführen ist. Es sind in der Regel verschiedene und mehrere Faktoren, die eine Depression entstehen lassen.

Die Auswirkungen der Erkrankung auf das zwischenmenschliche Verhalten beeinflusst natürlich auch die soziale Umgebung des Betroffenen. Insofern gibt es indirekt eine Art Ansteckung, weil die Reaktionen aus der sozialen Umgebung nicht immer hilfreich sind und die Probleme verstärken können.

Depressionen können dabei zu erheblichen zwischenmenschlichen Spannungen beitragen, die berufliche Leistungsfähigkeit und die Stellung im Team in Frage stellen und das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern beeinflussen.

Depressionen können zur Einsamkeit führen, Beziehungen zerstören und berufliche Karrieren stoppen. All das sind aber Gründe, sich nicht einfach mit einer Depression abzufinden, sondern aktiv etwas gegen die Erkrankung zu unternehmen.

Sind Depressionen "heilbar"?

Im Prinzip schon. Viele Depressionen klingen ohne nachhaltigen Schaden wieder ab und auch die Behandlungsmöglichkeiten der Depressionen sind erfolgreich und vielfältig. Daher ist eine Chronifizierung der Depressionen möglich, aber in der Regel vermeidbar.

Wie bei vielen anderen psychischen Erkrankungen gibt es aber eine nicht zu unterschätzende Rückfallgefährdung, für die es aber mittlerweile eine Reihe von vorbeugenden Maßnahmen gibt. Es hat daher wenig Sinn, sich mit einer Depression abzufinden und es ist sinnvoll, Hilfe zu suchen und anzunehmen. 

Bei der Überwindung einer Depression ist es zunächst von entscheidender Bedeutung, den Krankheitscharakter der erlebten Symptome zu erkennen und nicht einfach als Schicksal anzunehmen. Für Betroffene und auch deren Angehörige ist es dabei wichtig, offen über die Phänomene zu sprechen und im einem ersten Schritt Informationen über die Erkrankung zu sammeln und sich wenn möglich beraten zu lassen. Die Hilfen für die Betroffenen und ihrer Angehörigen sind dabei vielfältig. Sie basieren auf 2 Säulen: die Auseinandersetzung mit der Erkrankung und dem Aufbau von positiven und wirksamen Aktivitäten.

Die Auseinandersetzung mit der Erkrankung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. So können etwa depressionsverstärkende Gedanken relativiert werden, positive Aktivitäten gefördert und existenzielle Ängste bearbeitet werden. In vielen Fällen ist zusätzlich auch eine medikamentöse Unterstützung möglich. Maßnahmen zur Reduktion von Stresserleben und die Gewährleistung sozialer Unterstützung gehören ebenfalls dazu. Bei den wirksamen Aktivitäten hat sich die Förderung von Bewegung, die Konzentration auf positive Aktivitäten und die Vermeidung von nicht zur erfüllenden Leistungserwartungen bewährt.

Die Überwindung der Depression ist dabei immer auch eine Gemeinschaftsaktion, bei der die Betroffenen aber auch Angehörige und Freunde sowie professionelle Helfer angemessen zusammenwirken müssen.

Wie bekommen Betroffene Hilfe?

Eine erfolgreiche Suche nach einer angemessenen Hilfe ist leider nicht immer einfach. Eine wichtige Funktion nehmen dabei die Familie, die Arbeitskollegen und Freunde ein, von deren Seite die Veränderungen oft als erstes wahrgenommen werden. Wichtig ist, dass die Beobachtungen angesprochen und thematisiert werden, weil Betroffene oft die Phänomene auf eigenes Versagen zurückführen.

Der erste professionelle Ansprechpartner ist in der Regel nach wie vor der Hausarzt, der eine Depression nur dann erkennen kann, wenn auch die psychischen Beeinträchtigungen erwähnt werden. Natürlich kann auch auf die Hilfe von Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen zurückgegriffen werden. Und natürlich kann auch der Kontakt zu niedergelassenen Psychiatern, der Institutsambulanz und Psychotherapeuten hergestellt werden. Erreichen die Beeinträchtigungen einen bedrohlichen Charakter, kann und sollte die Hilfe eines psychiatrischen Krankenhauses in Anspruch genommen werden.

Selbsttest

Wenn Sie wissen möchten, ob Sie selbst an einer Depression leiden könnten, können Sie einen Selbsttest der Deutschen Depressionshilfe machen!

Angebote im Kreis Soest

  • Wenn Sie sich Sorgen um sich selbst oder eine Ihnen nahestehende Person machen, können Sie sich zunächst an Ihren Hausarzt, einen Neurologen oder Psychiater sowie auch an einen ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten wenden.
  • Auch der Sozialpsychiatrische Dienst des Kreises Soest kann helfen.
  • In besonders schwerwiegenden Fällen gibt es spezialisierte Depressionsstationen in psychiatrischen Kliniken.
  • Ein besonderer Tipp!: In Krisensituationen kann die Nummer 116 117 gewählt und eine Akutbehandlung vermittelt werden.

Depressionen verstehen

Ihre Ansprechperson

Astrid Schlüter 02921 30-2162 astrid-britta.schlueter@kreis-soest.de Adresse | Öffnungszeiten | Details
Christiane Ebeling 02921 30-2857 christiane.ebeling@kreis-soest.de Adresse | Öffnungszeiten | Details
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